Mit der Handbremse zur Digitalisierung

Im Rahmen der fortschreitenden Digitalisierung dringt immer mehr Elektronik in unser Leben ein. HomeKit wird die Schnittstelle des Internet der Dinge auf die so lange gewartet wurde. Das Licht geht an sobald ich mich meiner Wohnung auf 100m nähere (und andersherum), Siri kennt die aktuelle Raumtemperatur und regelt die Heizkörper, zum Aufstehen spielt die Hifi-Anlage meine Lieblingsmusik und TV-Bildschirm klärt mich über meinen aktuellen Tagesplan inkl. Temperatur, Geburtstagen und Erinnerungen auf. Meine Uhr erinnert mich daran aufzustehen falls ich mal zu lange sitze und warnt mich bei einem zu hohen Puls, sie zeigt mir laufend den nächsten Termin und die neuesten Nachrichten. Mein Smart Home denkt mit. Es kennt meine Gewohnheiten und passt sein Verhalten meinen an. All mein Wissen (Big Data) verlagere ich in die Cloud und kümmere mich mich um die Datenanalyse und -verarbeitung. Fahrkarten, Autos, Hotelzimmer und Restauranttische buche ich mit dem Smartphone. Es zählt nicht mehr der Besitz sondern viel mehr der Zugriff. Es klingt für manchen nach Utopie, doch der Großteil ist Status quo und der Rest wartet gerade nur auf das entsprechende Update, welches mit Sicherheit kommen wird.

Mir geht das trotzdem alles zu langsam.

  • Mobile Payment ist technisch möglich (nur Deutsche Banken wollen sich nicht mit Apple einigen)
  • Streaming ist möglich (aber in Deutschland teuer und behindert in der Ausbreitung)
  • Smartphones ohne Sim-Karte und ewige Vertragsbindung sind möglich (aber in Deutschland bleibt die Vormachtstellung der Provider)
  • Breitband-Internet ist möglich (aber Deutschland liegt weit hinten im internationalen Vergleich)
  • Telemedizin ist möglich (ist aber in Deutschland verboten)
  • Digitale Krankenakten sind möglich (aber scheitern in Deutschland an Politik, Lobbys und Angst vor Haftungsfragen)
  • Computer mit LTE-Empfang sind möglich (aber der Netzausbau ist zu langsam)
  • Elektroautos sind möglich (es fehlt aber an Infrastruktur)

Risiken und Nebenwirkungen:

Mit den vielen neuen Möglichkeiten kommen auch immer neue Fragen und Gefahren auf. Ich bin ein Verfechter des Smart Home und dennoch stelle auch ich mir die Frage wo die Grenze liegen wird. Kann ich einem System vertrauen, dass per digitalem Befehl meine Wohnungstür öffnet? Dass nur durch Annäherung meines Smartphones annimmt ich sei auch im Besitz des selbigen und einem möglicherweise fremden auch noch eine angenehme Lichtstimmung veranlasst und passende Musik auflegt? Fragen dieser Art stellen sich viele Menschen im Angesicht der Automatisierung. Im Bezug auf autonomes Fahren wird die Gefahr am deutlichsten. Was, wenn ein autonomes Fahrzeug einen Menschen überfährt? Was, wenn ein Roboter einen Menschen tötet „im Glauben“ dieser wolle einen anderen verletzen? Diese Fragen sind berechtig und richten sich nach meiner Einschätzung alle in eine Richtung. Es ist die Haftungsfrage – die Frage danach wer verantwortlich ist für das autonome Handeln einer Maschine. Sind es die Programmierer, ist es der Hersteller oder ist es der Besitzer? Vielleicht ist es auch deshalb so schwer zu begreifen weil die Verantwortung teils schon bei den Maschinen liegt. Das wäre jedoch keine Lösung, sondern wieder nur der Ausgangspunkt einer ganzen Reihe von neuen philosophischen und rechtlichen Problemstellungen. Denn Verantwortung ist ein Konstrukt, welches über das digitale Modell von Stimulus und Reaktion hinaus geht. Verantwortung setzt Intelligenz und eigenständiges Denken voraus, die Fähigkeit sich in die Situationen anderer zu versetzen und die Existenz eines Gewissens, dass sich nach bestimmten Wertvorstellungen richtet. Und an diesem Punkt wird es besonders haarig. Wie kann ein technisch produziertes und aus der Globalisierung entstandenes Wesen – eine Intelligenz vorausgesetzt, die zwar alle Ländergrenzen, im Idealfall auch alle Kulturellen Eigenschaften, kennt, diesen aber nicht entspringt – sich für ein Wertebündel einer Kultur bzw. eines Landes entscheiden und was wäre die Konsequenz daraus?

Reduziert auf das wesentliche ist das alles gar nicht so neu. 

  • Beispiel A: Elektronische Schlösser: Wohnungseinbrüche durch die Tür scheitern in den seltensten Fällen an einem besonders guten Schloss – Der Schlüssel selbst birgt sogar Gefahr. Schnell ist ein Schlüssel nachgemacht oder verloren, schnell ist ein herkömmliches Schloss geknackt oder aufgebohrt. Ein analoges Schloss kann keinen Alarm melden und auch nicht die Tür öffnen wenn man sich ausgesperrt hat. Die Gefahr ist also nicht größer als vorher.
  • Beispiel B: Autonomes Auto: Autoverkehr ist die Todesursache Nummer 1 in Deutschland. In den seltensten Fällen ist technisches Versagen der Grund, viel häufiger liegt die Ursache im Menschen selbst. Menschliches Versagen wird durch Fahrassistenzsysteme zwar verringert jedoch zeigt sich, dass Menschen glauben dadurch riskanter fahren zu können. Das Irrationale Handeln des Menschen ist also eine der Hauptauslöser für den Tod unzähliger Menschen und der Ansatzpunkt an dem vollständig autonomes Fahren beginnt sehr sinnvoll zu erscheinen.

Es gibt viele Fragen, viele Zweifel doch nur eins ist sicher: Fortschritt geht nicht auf der Stelle.