Langnese Sadness Station

Das war wohl nichts. Da geht man mal universitär Eis essen, natürlich in Verbindung zu den Kursen Markenführung und Trendforschung und dann schmilzt die zuvor aufgebaute Erwartungshaltung vor Ort dahin. Die Langnese Happiness Station im Unilever Haus sollte uns vor Augen führen wie Mehrmarkenportfolios innerhalb einer Kategorie erfolgreich geführt werden können und Innovationen auf Basis verschiedener Trendformen entstehen. Das Wetter war Bombe und so trudelten wir alle auf der Terrasse mit Blick auf den Hamburger Hafen ein. Schon auf der Terrasse fielen die ersten Wiedersprüche ins Auge. Neben vielen von Langnese gebrandeten Sitzgelegenheiten und Beachflags stand ein überdimensionaler Ben & Jerrys Becher. Wenn dies mit der Absicht geschah um das Markenportfolio zu präsentieren, dann bitte nur auf der anderen Gebäudeseite, schließlich gehört Ben & Jerrys nicht mal zum Langnese Portfolio. Lies man die Augen etwas weiter schweifen fielen ein leerer Afri-Cola Kühlschrank (gar nicht im Markenportfolio von Unilever) und eine Bank des East-Coast auf. Bei genauerem Hinsehen wurde klar, dass EAST Franchisenehmer der Happinessstation ist. Schon erstaunlich, dass ein Multimillionen-Dollar-Konzern, mit einer ganzen Heerschar an Brand Managern, es für verkraftbar hält innerhalb des eigenen Hauses (archtektonisch!) die Marke Langnese durch einen Franchise Partner repräsentieren zu lassen. Die Form des Franchising ist quasi die per Definition die schlechteste aller Markenexpansionsstrategieoptionen unter dem Gesichtspunkt der konsistenten Markenkommunikation. Das Personal, und da sind wir schon beim nächsten Punkt, in einem Franchise Store erfährt in der Regel nur eine schlechte oder gar keine Schulung zu den Kernwerten der Marke. Dem entsprechend ahnungslos präsentierte sich auch das Personal. Auf mehrere Nachfrage konnte die Dame hinter dem Schalter zum Produkt nur ablesen was hinter ihr auf den Reklameschildern stand. Besonderes Eis? “

Also wir haben hier drei Sorten: Vanille, Schoko und gemischt“

Eine ganz besondere Form der Vielfalt und Individualisierung. Bei genauer Betrachtung bestand das „selbermachen“ des Eis darin eine der drei Grundzutaten zu wählen und sie mit 3-5 Zutaten (darunter drei Früchte und reichlich Auswahl an Schokoladenstückchen) vermischen zu lassen. Auch weil mich diese Auswahl von eine unlösbare Aufgabe stellte zog ich es vor einen vorgefertigten Becher namens Magnum Erdbeer Swirl zu wählen. Swirl ist in diesem Fall das Basisprodukt und kein Staubsaugerbeutel(!). Das Ergebnis sah nicht ein mal mit viel Fantasie aus wie auf der Werbetafelabgebildet und kam zu meinem Erstaunen aus der gleichen Maschine wie auch das Langnese Eis. Wenn man so will eine Verschmelzung bzw. Verwässerung beider Marken. Magnum, da macht es sofort „knack“ im Kopf. Ein Eis, das mit einer harten Schokoladenhülle überzogen an den hölzernen Stil gehört. Der Pappbecher transportierte keinen Funken von Markenkern, weder von Magnum, noch von Langnese.
Das Eis aber schmeckte ganz okay und so hatten wir eine heiße Diskussion mit eiskalten Argumenten bei der Unilever zum ersten Mal massiv in der Kritik stand.

Schreibe einen Kommentar