APG Strategy Corner

Für mich neu und überzeugend gut ist die Strategy Corner der Account Planning Group (APG). Ein Blog bei dem immer wieder neue Impulse von immer wieder neuen und interessanten Persönlichkeiten der deutschen Planninglandschaft gibt. Zugebenermaßen habe ich diesen und diesen Artikel heute in einer Neuromarketing-Vorlesung gelesen, aber er war mindestens so unterhaltsam wie die Referate, denen ich offiziell Aufmerksamkeit zu schenken hatte. Mich hat vor allem der Gedanke von Big Data (dem gesellschaftlich anerkannten Wort für die unkontrollierte Datensammelwut nahezu aller Konzerne in jüngster Zeit) und smart Data angesprochen. Mit Big Data ist oft genug die Hoffnung verbunden den gläsernen Konsumenten zu schaffen und in der Konsequenz nicht mehr mit selbigem sprechen zu müssen um seine tiefsten Beweggründe, den Consumer Insight, zu verstehen. Doch so viele Daten man auch von Käufen, Suchen, Kreditkarten und Zahlungskraft sammelt, sie alle bilden nur ab was der Konsument tut und nicht warum. Meinem Verständnis von einem Zukunftsorientierten Unternehmen tragen diese Daten keine Rechnung. Ich halte quantitative Marktforschung für ein wichtiges Tool um den Markt zu verstehen, doch will ich verstehen was der Konsument will, muss ich mich auch auf die Interpretation qualitativer Marktforschungsgruppen verlassen können. Nicht nur die frühere Innovationskraft von Apple hat unter Beweis gestellt, dass der Konsument sich besonders dann für etwas begeistern kann, wenn er das Gefühl hat auf das Produkt / die Lösung schon immer gewartet zu haben, jedoch ohne eine genaue Vorstellung was er eigentlich wollte. Will man die Lösung für ein solches latentes aber existentes Problem sein (meine Idealvorstellung eines Insights) kann man ihn nicht einfach danach fragen was ihm nicht paast und was man besser machen könnte. Es braucht Mut neu zu denken und nicht nur von „neu“ zu reden.

In einem weiteren Punkt muss ich Knut Riedel zustimmen. Werbeagenturen werden auch auf lange Sicht nicht zu Unternehmensberatungen. Natürlich fehlt es an Know-How und Verständnis für die Zielsetzungen und Probleme des Kunden. Ich vermute die
Zukunft irgendwo in der Richtung der Scholz und Friends Strategy Group. Es braucht die Seitentrennung von Unternehmen und Agentur und mittlerweile wird diese durch einen Mittler, die Strategie-Unit, ergänzt, aber würde Trennung noch mehr aufweichen, stünden alle Geschäftsmodelle in Frage und denkt man etwas weiter drehten alle Agenturen sich nur noch um ihren Stammkunden (der langfristigen Perspektive von Strategie geschuldet) und gäben mehr und mehr ihre Autonomitätsberechtigung auf. Dann sind wir wieder beim Anfang.

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